Ein integriertes Fernerkundungskonzept kombiniert luft- und terrestrisches LiDAR mit hochauflösenden multispektralen Drohnen- und Satellitenbildern (Sentinel-2, Landsat-8), um skalierbare, wiederholbare Messungen der Waldstruktur, -zusammensetzung und -veränderung zu liefern. Durch die Stratifizierung der Flächenauswahl über verschiedene Renaturierungsmaßnahmen hinweg und die Anwendung einer rigorosen Vorverarbeitung (Punktwolkenfilterung, radiometrische Korrektur, Koregistrierung) liefert dieser Ansatz präzise Messwerte zu Kronenhöhe, Strukturvielfalt und Vegetationsgesundheit, um Renaturierungsverläufe im gesamten Landschaftsmaßstab zu bewerten und zu überwachen.
2.5.1 Begründung
Herkömmliche Felduntersuchungen sind für die Standortbestimmung unerlässlich, jedoch durch Kosten, Zeit und physischen Zugang eingeschränkt und liefern oft nur eine begrenzte räumliche Darstellung. Um den räumlichen und zeitlichen Anforderungen der großflächigen Wiederherstellung von Waldlandschaften gerecht zu werden (Chazdon et al., 2016), ist es wichtig, die Vorteile von Fernerkundungsansätzen zu nutzen, die wiederholbare, hochauflösende Messungen der Struktur, Zusammensetzung und Veränderung von Wäldern in riesigen und unzugänglichen Gebieten ermöglichen (Valbuena et al., 2020). Zu den leistungsfähigsten Werkzeugen in diesem Bereich gehört LiDAR (Light Detection and Ranging), das eine detaillierte dreidimensionale Charakterisierung der Struktur des Kronendachs und darunter ermöglicht (Valbuena et al., 2017). Aus LiDAR gewonnene Messwerte wie Kronendachhöhe, Lückenanteil und Laubhöhenvielfalt sind zuverlässige Indikatoren für wichtige ökologische Eigenschaften wie oberirdische Biomasse, Sukzessionsstadium und Habitateignung. Darüber hinaus ermöglicht LiDAR die Quantifizierung struktureller Diversität und Heterogenität – Eigenschaften, die manuell nur schwer zu messen sind, aber für den Erhalt der Biodiversität, die mikroklimatische Pufferung und die ökologische Resilienz unerlässlich sind (Valbuena et al., 2012). Beispielsweise können der Gini-Koeffizient und die Lorenz-Asymmetrie (Bourdier et al. 2016) sowie aus LiDAR-Höhenverteilungen abgeleitete L-Momente verwendet werden, um Baumgrößenungleichheit, Kronendachschichtung und Lichtverfügbarkeit zu beschreiben – Faktoren, die eng mit Regenerationsnischen und der Habitateignung waldabhängiger Arten verbunden sind (Toivonen et al. 2023). Diese Daten können mittlerweile von mehreren Plattformen erfasst werden, darunter unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs), bemannte Flugzeuge und terrestrische Laserscanner, die jeweils für unterschiedliche räumliche Maßstäbe und Auflösungen geeignet sind. Darüber hinaus ergänzen luft- oder satellitengestützte multispektrale Bilder von Sensoren wie Sentinel-2 und Landsat-8 LiDAR, indem sie zeitliche Dynamiken der Vegetationsgesundheit, Phänologie und Landbedeckung erfassen, die sich für die Überwachung der Vegetationsvitalität und die Beurteilung früher Erholungsprozesse während der Wiederherstellung als nützlich erwiesen haben (Valbuena et al., 2025).
2.5.2 Erhebungsmethoden
Im SUPERB-Projekt setzen wir eine integrierte Fernerkundungsstrategie ein, die LiDAR-, Multispektral- und Satellitenbilder kombiniert, um konsistente, skalierbare Basislinien zu erstellen und die Waldentwicklung im Zeitverlauf zu überwachen. Unser Ansatz basiert auf Best-Practice-Methoden aus der Literatur und orientiert sich an neuen Standards für die Überwachung von Ökosystemstrukturen (Wang et al. 2024). Jede Datenquelle wurde aufgrund ihrer Eignung für einen bestimmten räumlichen Maßstab, eine bestimmte Auflösung oder einen bestimmten ökologischen Schwerpunkt ausgewählt, in Übereinstimmung mit den Empfehlungen von Valbuena et al. (2020).
Plattformbereitstellung.
Die Auswahl der Flächen für UAV- und TLS-Kampagnen erfolgte stratifiziert nach Restaurierungsarten (z. B. passiv vs. aktiv), Bestandsalter und Managementmaßnahmen. Satellitenanalysen wurden über gesamte Demonstrationsgebiete unter Verwendung harmonisierter Flächenpuffer und Landschaftseinheiten durchgeführt. Die Datenerhebung beschränkte sich auf die Zeiträume zwischen Spätfrühling und Sommer, um saisonale Schwankungen zu minimieren und die Sichtbarkeit des Kronendachs zu maximieren.
2.5.3 Datenerhebung bis zur Datenberichterstattung
Bei der Verarbeitung verschiedener Arten von LiDAR-Daten zusammen mit multispektralen und Satellitenbildern zur Beurteilung der Kronendachhöhe und -struktur müssen Anwender mehrere Schlüsselfaktoren sorgfältig berücksichtigen, die die Genauigkeit der abgeleiteten Messwerte direkt beeinflussen. Die Art des LiDAR-Systems – luftgestützt, terrestrisch oder mobil – bestimmt die Punktdichte und vertikale Präzision, die für eine genaue Modellierung von Kronendachhöhe, Schichtung und vertikaler Komplexität entscheidend sind. Eine hohe Punktdichte und mehrere Rückgaben von luftgestütztem LiDAR ermöglichen beispielsweise eine detaillierte Charakterisierung der Kronendachspitze, der mittleren Stockwerke und der Bodenhöhe und damit präzise Berechnungen von Kronendachhöhenmodellen und Laubprofilen (Roussel et al. 2020). Die zeitliche Abstimmung zwischen LiDAR und optischen Bildern ist unerlässlich, da phänologische Veränderungen die Kronendachreflexion und die strukturelle Interpretation beeinflussen können. Multispektrale und Satellitenbilder liefern wertvolle spektrale Informationen über Vegetationsgesundheit, Artendifferenzierung und Blattflächenindex, die die strukturellen Erkenntnisse von LiDAR ergänzen. Diese Datensätze müssen jedoch geometrisch ausgerichtet und radiometrisch korrigiert werden, um eine zuverlässige Fusion zu gewährleisten. Koordinatensysteme, Datenauflösung und Sensorkalibrierung beeinflussen den Integrationsprozess und die räumliche Genauigkeit der Waldmetriken. Auch die Wahl der Vorverarbeitungstechniken, wie Bodenpunktfilterung und Kronendachoberflächeninterpolation, hat erhebliche Auswirkungen auf die Strukturmodellierung. Letztendlich ist ein kohärenter Verarbeitungsablauf notwendig, um Rohdaten in genaue, umsetzbare Kronendachhöhen- und Strukturmetriken zu übersetzen (Loke und Chisholm, 2022).