Strukturvielfalt in einem Mischwald. Freiburg, Deutschland © Hernán Serrano-León
In degradierten, strukturschwachen Beständen ist die Verbesserung der strukturellen oder funktionalen Vielfalt entscheidend für den Wiederaufbau der Komplexität und Widerstandsfähigkeit des Ökosystems. Solchen Beständen mangelt es oft an abwechslungsreichen Kronenschichten, Altersvielfalt und Artenreichtum, was sie anfällig für Umweltbelastungen macht und ihre ökologischen Funktionen einschränkt. Durch die Erhöhung der horizontalen und vertikalen Heterogenität, die Diversifizierung des Baumalters und die Einführung einer größeren Vielfalt an Strukturelementen und Baumarten können Wälder ihre Fähigkeit zur Unterstützung der Tierwelt wiederherstellen, den Nährstoffkreislauf verbessern und Störungen wie Schädlingen, Krankheiten oder extremen Wetterereignissen standhalten.
Bei Selektionsschnitten werden einzelne Bäume oder kleine Gruppen selektiv entfernt, um Öffnungen im Kronendach zu schaffen. Diese erhöhen die strukturelle Vielfalt, fördern die natürliche Regeneration und ermöglichen eine nachhaltige Holzgewinnung. In Monokulturen oder homogenen Beständen diversifiziert diese Methode die Artenzusammensetzung und erhöht die Lebensraumkomplexität und Biodiversität. Gleichzeitig wird die Widerstandsfähigkeit des Ökosystems gegen Störungen wie Schädlinge, Krankheiten und Klimaextreme erhöht. Bei der Holzernte ermöglichen Selektionsschnitte die kontinuierliche Entnahme marktfähiger Bäume unter Wahrung der Bestandesintegrität und langfristigen Produktivität. Eine erfolgreiche Anwendung erfordert sorgfältige Planung, um die Lichtverfügbarkeit für die Regeneration auszugleichen und gleichzeitig eine ausreichende Kronendachbedeckung zur Stabilisierung von Boden und Mikroklima sowie zur Gesundheit der verbleibenden Bäume zu erhalten.
Durchforstung ist eine forstwirtschaftliche Maßnahme, bei der selektiv Bäume entfernt werden, um die Konkurrenz zu reduzieren und so Wachstum und Gesundheit der verbleibenden Bäume zu fördern. In strukturell und zusammensetzungsmäßig schlechten Beständen kann die Durchforstung die strukturelle Vielfalt verbessern, die natürliche Regeneration fördern und Licht- und Nährstoffbedingungen schaffen, die die Entwicklung des Unterholzes und die Erholung der Artenvielfalt begünstigen. Sie kann auch Risiken wie Waldbrände oder Schädlingsbefall mindern und dazu beitragen, geschädigte Wälder in einen natürlicheren, widerstandsfähigeren Zustand zu versetzen.
Continuous Cover Forestry (CCF) ist ein nachhaltiges Forstmanagementverfahren, das durch den Erhalt von Bäumen und die Förderung ungleichaltriger, artenreicher Bestände durch selektive Ernte und natürliche Regeneration eine kontinuierliche Kronenbedeckung gewährleistet. Diese Methode fördert die strukturelle Vielfalt, unterstützt die Artenvielfalt und verbessert die Widerstandsfähigkeit des Ökosystems. Durch die Vermeidung von Kahlschlägen erhält CCF die Kontinuität des Lebensraums, mildert Bodenerosion und sorgt für artenfreundliche mikroklimatische Bedingungen. Die Umsetzung von CCF beinhaltet eine sorgfältige Auswahl der zu entfernenden und zu erhaltenden Bäume und verbindet wirtschaftliche Ziele mit ökologischer Nachhaltigkeit.
Retentionsforstwirtschaft ist ein forstwirtschaftlicher Ansatz, der bestimmte Strukturelemente von Wäldern, wie lebende und tote Bäume, während der Holzernte bewahrt, um ökologische Funktionen und die Artenvielfalt zu erhalten. Durch den Erhalt dieser Merkmale unterstützt diese Methode die Lebensraumkontinuität verschiedener Arten, erhöht die strukturelle Vielfalt und fördert Ökosystemprozesse, die denen in natürlichen Wäldern ähneln. Diese Praxis ist in verschiedenen Waldbiomen anwendbar und ergänzt Naturschutzbemühungen unter Berücksichtigung der Holzproduktion.
In Wäldern mit geringer struktureller oder funktionaler Komplexität können künstliche Strukturen geschaffen werden, um wichtigen Lebensraum für waldbewohnende Arten zu schaffen. Zu solchen Strukturen gehören unter anderem Vogelkästen, Fledermausquartiere, Holzstapel und künstliche Höhlen, die natürliche Unterstände nachahmen sollen. Sie können insbesondere Arten helfen, die auf Baumhöhlen, verrottendes Holz oder dichte Vegetation angewiesen sind, und so die Erholung von Vögeln, Säugetieren und Wirbellosen fördern. Solche Eingriffe sind besonders wirksam in degradierten oder jungen Wäldern, wo natürliche Lebensraummerkmale wie ausgewachsene Bäume oder umgestürzte Baumstämme Jahrzehnte brauchen, um sich zu bilden.
Weidewirtschaft kann häufig zur Vegetationskontrolle, insbesondere zur Erhaltung offener Flächen, eingesetzt werden. Durch die selektive Nahrungsaufnahme von Gräsern, Sträuchern oder Baumsetzlingen tragen Weidetiere dazu bei, das Wachstum von Pflanzenarten zu kontrollieren und so offene Flächen in Waldlandschaften zu erhalten. Diese Praxis fördert die Heterogenität des Waldes, indem sie ein Mosaik an Lebensraumbedingungen schafft, das einer größeren Vielfalt waldbewohnender Arten gerecht wird. Die Umsetzung von Weidewirtschaft bei der Wiederaufforstung erfordert die Auswahl geeigneter Tierarten, Beweidungsdichte und Weidedauer. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass die ökologischen Ziele ohne Bodenverdichtung oder Überweidung erreicht werden.