Bär

Grundbesitzer / Praktiker

2.3 Verbesserung der strukturellen Vielfalt

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Viele europäische Wälder sind einheitlich, mit Bäumen ähnlichen Alters und ähnlicher Größe und wenig Totholz. Obwohl sie produktiv sind, bieten diese Wälder nur begrenzten Lebensraum für Wildtiere, sind weniger widerstandsfähig gegen Stürme und Schädlinge und weniger attraktiv für Besucher. Eine Erhöhung der Strukturvielfalt durch die Mischung verschiedener Baumarten, Altersgruppen, Größen und Kronenschichten verbessert die Biodiversität, die Widerstandsfähigkeit des Waldes und das Naturerlebnis. In Neuaufforstungen kann dies durch Mischpflanzungen und unregelmäßige Pflanzmuster erreicht werden. In bestehenden Beständen führen das Erhalten alter Bäume, das Schaffen von Kronenlücken, das Belassen oder Anlegen von Totholz und die Förderung der natürlichen Verjüngung allmählich zu artenreicheren, widerstandsfähigeren Wäldern, die Wildtiere unterstützen und für Besucher attraktiver sind.

Viele Wälder in Europa, ob Nadel-, Laub- oder Mischwälder, weisen oft eine einfache Struktur auf. Die Bäume sind meist von ähnlichem Alter und ähnlicher Größe, und Totholz ist selten. Solche Wälder können zwar produktiv sein, bieten aber weniger Lebensraum für Wildtiere, sind weniger widerstandsfähig gegen Stürme, Schädlinge oder Dürre und bieten weniger Erholungsmöglichkeiten. Die Erhöhung der strukturellen Vielfalt durch eine größere Bandbreite an Baumarten, Altersstufen, Größen und Kronenstrukturen ist ein wichtiger Weg, um Wälder ökologisch wertvoller, widerstandsfähiger und attraktiver zu gestalten.

Strukturell vielfältige Wälder bieten ein breites Spektrum an Lebensräumen für die waldbezogene Biodiversität. Stehende Totholzstämme, umgestürzte Baumstämme, alte Bäume mit Höhlungen, lose Rinde und verrottende Äste bieten Vögeln, Fledermäusen, Insekten, Pilzen und anderen Organismen ein Zuhause. Unterschiedliche Baumhöhen und Kronenschichten schaffen Mikroklimata, die verschiedene Arten begünstigen. Diese Vorteile sind sowohl innerhalb einzelner Bestände als auch in der gesamten Landschaft sichtbar, wo ein Mosaik aus Waldtypen und -strukturen die ökologische Vernetzung und die Widerstandsfähigkeit des gesamten Ökosystems stärkt.

Die Förderung der Strukturvielfalt kann in neu angelegten Wäldern oder in bestehenden, einheitlichen Beständen beginnen. In nicht bewaldeten Gebieten ist die Verwendung einer Mischung aus einheimischen und klimaangepassten Baumarten ein effektiver erster Schritt. Das Pflanzen in kleinen Gruppen oder unregelmäßigen Mustern anstelle von geraden Reihen mit nur einer Art fördert eine natürlich wirkende Struktur sowie heterogene Lichtverhältnisse und Mikroklimata. Wo natürliche Verjüngung stattfindet, kann die Anpflanzung weiterer Baumarten die Strukturvielfalt und Widerstandsfähigkeit im Laufe der Zeit erhöhen.

In bestehenden homogenen Beständen lässt sich die strukturelle Komplexität durch verschiedene Maßnahmen schrittweise erhöhen. Das Erhalten alter oder ökologisch wertvoller Bäume sowie das Belassen oder Anlegen von stehendem und liegendem Totholz (siehe auch Abschnitt 2.4 Totholz, Veteranisierung) bieten unmittelbare Vorteile für den Lebensraum. Kleine Kronenlücken oder unregelmäßige Öffnungen lassen Licht bis zum Waldboden vordringen und fördern so die natürliche Verjüngung und das Wachstum der Unterschicht. Durch Anreicherungspflanzungen unter dem bestehenden Kronendach oder durch die Unterstützung der natürlichen Verjüngung wird die Arten- und Strukturvielfalt weiter erhöht. Das gezielte Anlegen von Totholz, beispielsweise durch das Fällen oder sogar kontrollierte Beschädigen ausgewählter Bäume, schafft Mikrohabitate, die mehreren Arten zugutekommen.

Mit der Zeit tragen diese Maßnahmen dazu bei, einfache, einheitliche Wälder in dynamische, widerstandsfähige Ökosysteme zu verwandeln. Strukturell vielfältige Wälder beherbergen eine größere Artenvielfalt, erholen sich besser von Störungen und bieten attraktivere und angenehmere Erholungsräume. Durch eine gezielte Verbesserung der Waldstruktur können Waldbesitzer und Forstwirte den ökologischen und sozialen Wert ihrer Wälder für kommende Generationen steigern.

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