Totholzabhängige Arten kommen in vielen Artengruppen vor, darunter Insekten, Pilze, Flechten, Moose sowie einige Vogel- und Säugetierarten. Es ist allgemein anerkannt, dass abgestorbene Bäume als einzelne Ressource die wichtigste für die Biodiversität des Waldes darstellen. Daher muss eine auf Biodiversität ausgerichtete Forstwirtschaft sowohl eine ausreichende Menge als auch Qualität an Totholz gewährleisten. Unter natürlichen Bedingungen besteht ein Bestand üblicherweise zu etwa 20 % aus abgestorbenen Bäumen. In den meisten bewirtschafteten Wäldern sind diese Werte deutlich niedriger. Die natürlichen Werte in der Praxis zu erreichen, mag schwierig sein, doch lässt sich auch mit geringeren Mengen viel erreichen, wenn die Qualität berücksichtigt wird.
Ein wichtiger Faktor ist stehendes und liegendes Totholz, da es zwei deutlich unterschiedliche Ressourcen darstellt. Manche Baumarten, insbesondere harzreiche Bäume, können über lange Zeit als Totholz stehen bleiben, wobei verschiedene Arten die Ressource in unterschiedlichen Lebensstadien nutzen. Einige leben direkt auf der Rinde (z. B. Flechten) und im Übergangsbereich zwischen Rinde und Holz (z. B. Insekten und Pilze) kürzlich abgestorbener Bäume, während andere die kahle Baumoberfläche nach dem Abfallen der Rinde besiedeln. Diese Lebensgemeinschaft wird dann mehr oder weniger vollständig von anderen Arten ersetzt, wenn das Totholz schließlich umfällt. Die Standzeit eines Totholzes variiert stark je nach Baumart und deren Lebenszyklus, aber es ist, Totholz so weit wie möglich vor dem Umfallen zu schützen.
Unterschiedliche Baumarten beherbergen – aufgrund ihrer unterschiedlichen Rinden- und Holzeigenschaften – auch nach ihrem Absterben deutlich unterschiedliche Artengemeinschaften. Der Gehalt an verschiedenen chemischen Bestandteilen ist ein Faktor, aber auch die Wachstumsrate des lebenden Baumes hat einen deutlichen Einfluss. Die Zersetzungsrate variiert ebenfalls stark zwischen den verschiedenen Baumarten, und die geeigneten Bedingungen für die jeweiligen Arten verändern sich im Laufe der Zeit. Daher sollte das Management darauf abzielen, alle typischen Baumarten, auch im Totholz, zu berücksichtigen.
Weitere wichtige Faktoren sind die Größe des Totholzes und seine Lage am Boden. Größere Stämme verrotten naturgemäß langsamer und bieten daher länger Lebensraum. Außerdem werden sie im Vergleich zu kleineren Stämmen seltener von Bodenvegetation überwuchert. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass manche Arten direkt von der Stammgröße beeinflusst werden und insbesondere größere Stämme oft eine artenreichere Gemeinschaft seltener und bedrohter Arten beherbergen.
Eine größere Herausforderung für das Management besteht darin, dass verschiedene Zersetzungsstadien sehr unterschiedliche Artengemeinschaften beherbergen. Zwar ist es möglich, frisches Totholz zuzuführen, doch der Zersetzungsprozess dauert oft Jahrzehnte. Daher ist der Schutz verrotteter Bäume während der Pflegemaßnahmen entscheidend. Sollte Totholz aktiv hinzugefügt werden, empfiehlt es sich, dieses über einen längeren Zeitraum zu verteilen, anstatt eine größere Menge auf einmal bereitzustellen.
Der Begriff „Veteranisierung“ beschreibt eine Situation, in der die Bewirtschaftung darauf abzielt, Bestände oder Einzelbäume mit Merkmalen biologisch alter Wälder zu schaffen. Auf Bestandesebene beinhaltet dies hauptsächlich das gezielte Abtöten oder Fällen von Bäumen. Bei einzelnen lebenden Bäumen kann dies das Beschädigen der Rinde umfassen, um entweder das Wachstum zu verlangsamen oder bestimmten Arten die Besiedlung lebender Bäume zu ermöglichen. Es ist auch möglich, Arten, insbesondere holzwurzelnde Pilze, durch Impfung in lebende Bäume einzuführen. Diese Ansätze fördern zwar eine vielfältige Gemeinschaft von Totholzarten, müssen aber selbstverständlich so durchgeführt werden, dass die allgemeine Gesundheit des Waldbestandes nicht gefährdet wird. Einige Borkenkäfer und Pilze gelten als Schädlinge, und obwohl sie ein natürlicher Bestandteil von Wäldern sind, können große Mengen an frischem Totholz einen Massenvermehrungsschub auslösen.
Wenn Maßnahmen zur Erhöhung des Totholzaufkommens erwogen werden, empfiehlt es sich, die zu behandelnden Bäume sorgfältig auszuwählen. Bereits beschädigte Bäume oder Bäume mit geringerem wirtschaftlichen Wert sollten vorrangig behandelt werden. Dies dient nicht nur der Begrenzung wirtschaftlicher Verluste, sondern auch dem Umstand, dass diese Bäume oft wertvoller für die Biodiversität sind, da sie bereits Lebensraum bieten (siehe Abschnitt 2.5).
Überblick über Renaturierungsmaßnahmen und Datenbank mit verschiedenen Ressourcen zur Unterstützung von Fachleuten für die Wiederherstellung von Wäldern in ganz Europa. Sie umfasst technische Leitlinien, Lehrbücher sowie wissenschaftliche Artikel und Rezensionen, die Anleitungen zu spezifischen Renaturierungsmaßnahmen bieten.
Der Abschlussbericht des Zentraleuropäischen Büros des European Forest Institute (EFFI) zum Projekt „Integrate“ präsentiert Forschungsergebnisse zur Integration des Biodiversitätsschutzes in die Forstwirtschaft. Er analysiert die Auswirkungen der Forstwirtschaft, Zielkonflikte und multifunktionale Wälder und bietet grenzüberschreitende Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis, die fundierte politische und praktische Entscheidungen in Mitteleuropa unterstützen.
Feuer ist ein natürliches Störungsereignis im borealen Wald. Da Waldbrände heute effektiv unterdrückt werden, sind viele Arten, die auf verbrannte Wälder angewiesen sind, bedroht. Um die Lebensbedingungen dieser Arten zu verbessern, könnten kontrollierte Brände zur Erhaltung der Vegetation eingesetzt werden. Diese sind jedoch nicht überall möglich. Stattdessen werden häufig Maßnahmen ergriffen, die Brände imitieren, um einige Auswirkungen eines natürlichen Waldbrandes zu ersetzen, wie beispielsweise die Bildung von Totholz im Allgemeinen und insbesondere von sogenannten Kelo-Bäumen (sehr hartes und widerstandsfähiges totes Kiefernholz), lichte Kiefernbestände oder Laubwälder.