Die Risikobewertung ist ein wichtiger erster Schritt bei der Waldwiederherstellung, insbesondere da der Klimawandel den Druck auf die Wälder erhöht. Um die Wiederherstellung nachhaltig zu gestalten, müssen die Verantwortlichen vorausschauend denken und berücksichtigen, was den Wald in den kommenden Jahren bedrohen könnte, und nicht nur die aktuellen Standortbedingungen.
Zu den häufigsten Risiken zählen höhere Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster, häufigere Dürren, Stürme, Schädlinge, Krankheiten und invasive Arten. Werden diese Risiken ignoriert, kann es in wiederhergestellten Wäldern zu hohem Baumsterben kommen oder die geplante Entwicklung kann ausbleiben. Eine praxisorientierte Risikobewertung beginnt mit der Ermittlung der wahrscheinlichsten Bedrohungen an einem bestimmten Standort. So können beispielsweise trockene Standorte zunehmend unter Wassermangel leiden, während andere Gebiete stärker von Stürmen, Bränden oder Erosion betroffen sein können.
Regelmäßige Feldbeobachtungen gehören zu den einfachsten und wirksamsten Methoden. Anzeichen wie geringes Überleben der Sämlinge, absterbende Baumkronen, verlangsamtes Wachstum oder Veränderungen im Zeitpunkt des Blattaustriebs und der Blüte können darauf hindeuten, dass Bäume geschwächt sind. Treten diese Probleme bei vielen Bäumen oder Altersklassen auf, kann es notwendig sein, die Bewirtschaftung anzupassen oder geeignetere Baumarten einzuführen.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist das Verständnis der natürlichen Regenerationsfähigkeit eines Waldes. Natürliche Regeneration kann gut funktionieren, aber nur, wenn genügend gesunde, gut verteilte, ausgewachsene Bäume vorhanden sind und die regenerierenden Arten voraussichtlich mit den zukünftigen Klimabedingungen zurechtkommen. Wird die Regeneration von Arten dominiert, deren Bestand voraussichtlich zurückgehen wird, können aktive Anpflanzungen oder Anreicherungsmaßnahmen erforderlich sein.
Der Verbiss durch Rehe und andere große Pflanzenfresser stellt eine häufige und praktische Herausforderung dar. Bei hohem Verbissdruck benötigen junge Bäume oft Schutz durch Zäune oder einzelne Schutzvorrichtungen. Die Überwachung des Verbissgrades hilft festzustellen, ob Schutzmaßnahmen erforderlich sind. In manchen Fällen kann auch eine kontrollierte Beweidung sinnvoll sein, beispielsweise um die Brennstoffmenge in brandgefährdeten Gebieten zu reduzieren.
Die Standortbedingungen sollten sorgfältig geprüft werden. Verdichtete Böden, mangelhafte Drainage, geringe Nährstoffversorgung oder invasive Pflanzen können das Anwachsen von Bäumen behindern und die Auswirkungen des Klimawandels verstärken. Diese Probleme treten häufig auf degradierten oder intensiv bewirtschafteten Standorten auf und können eine Standortvorbereitung oder gezielte Maßnahmen erforderlich machen.
Einfache Entscheidungshilfen können die Planung erleichtern. Tools wie Seed4Forest unterstützen Anwender, indem sie aufzeigen, welche Baumarten und Saatgutquellen unter zukünftigen Klimabedingungen voraussichtlich gut gedeihen werden. Dies hilft, die Anpflanzung von Bäumen zu vermeiden, die in den kommenden Jahrzehnten Schwierigkeiten haben könnten, und ermöglicht eine fundiertere Artenauswahl.
Risikomanagement sollte sich nicht nur auf die Reaktion auf Schäden nach deren Eintreten beschränken. Es umfasst auch die Vorbereitung von Wäldern auf zukünftige Störungen, um ihnen besser standzuhalten. Das bedeutet, Wiederherstellungsmaßnahmen von Anfang an auf Resilienz auszurichten. Mischwälder mit mehreren Baumarten sind im Allgemeinen widerstandsfähiger gegen Stürme, Schädlinge und Krankheiten als Reinbestände. Strukturelle Vielfalt nach Störungen kann ebenfalls zu einer schnelleren Erholung der Wälder beitragen.
Störungen wie Stürme, Brände oder Schädlingsbefall lassen sich nicht vollständig vermeiden und sollten es auch nicht. Sie sind ein natürlicher Bestandteil der Waldökosysteme und bieten Chancen, die Widerstandsfähigkeit des Waldes zu stärken. So können beispielsweise Kronenlücken genutzt werden, um vielfältigere und klimaangepasste Baumarten anzusiedeln. Proaktive Maßnahmen – wie die Reduzierung der Bestandesdichte, die Förderung der Vorverjüngung oder die Anpassung der Umtriebszeiten – erfordern zwar anfangs oft mehr Aufwand, tragen aber dazu bei, Schäden und Kosten in der Zukunft zu reduzieren. Vorausschauende Planung erleichtert eine effektive Reaktion auf Störungen.