Eine abgestorbene Buche mit vielfältigen Mikrohabitaten. Foto: EFI
Dieser Artikel analysiert das gemeinsame Auftreten mehrerer baumbezogener Mikrohabitate (TreMs) an einem Baum. Mithilfe einer umfangreichen internationalen Datenbank identifiziert die Studie TreM-Typen, die häufig gemeinsam auftreten, wie beispielsweise Rindenverlust und Fäulnislöcher. Das praktische Ergebnis sind vereinfachte, kurze Listen wichtiger TreM-Gruppen, die Forstmanagern ein effizientes Monitoring ermöglichen. Dies reduziert den Aufwand im Gelände und erhält gleichzeitig die Möglichkeit, die Biodiversität des Waldes zu erfassen.
Ein baumbezogener Mikrohabitat (TreM) ist eine klar abgegrenzte morphologische Besonderheit an lebenden oder stehenden toten Bäumen, die ein wichtiges Substrat oder einen Lebensraum für verschiedene Arten darstellt. TreMs gelten allgemein als Schlüsselfaktoren für die Biodiversität. Die aktuelle TreM-Typologie unterscheidet 47 TreM-Typen anhand ihrer Morphologie und der zugehörigen Taxa. Um verschiedene Auflösungen zu ermöglichen und die Typologie benutzerfreundlicher zu gestalten, wurden diese 47 TreM-Typen in 15 Gruppen und sieben Formen zusammengefasst. Je nach benötigter Genauigkeit und verfügbarer Zeit kann der Benutzer nun die Beschreibung von TreMs auf den Auflösungsstufen Typ, Gruppe oder Form auswählen. Eine weitere Möglichkeit, TreMs im Rahmen der routinemäßigen Managementarbeit einfacher zu erfassen, besteht darin, Kookkurrenzmuster zu nutzen, um die Anzahl der zu beobachtenden TreMs zu reduzieren. Anhand einer umfangreichen internationalen TreM-Datenbank (2052 Untersuchungsflächen; 70,958 Einzelbäume; 78 Baumarten) untersuchten wir die Signifikanz und das Ausmaß des gemeinsamen Auftretens von TreM an lebenden Bäumen für elf TreM-Gruppen. Wir identifizierten 33 signifikante gemeinsame Vorkommen bei Laubbäumen und neun bei Nadelbäumen. Rindenverlust, Fäulnislöcher, Risse und Porlinge wiesen die höchste Anzahl positiver gemeinsamer Vorkommen (N = 8) mit anderen TreM bei Laubbäumen auf; Rindenverlust (N = 4) zeigte die höchste Anzahl bei Nadelbäumen. Sich gegenseitig ausschließende Vorkommen fanden wir nur bei Nadelbäumen: Freiliegendes Kernholz schloss sowohl Dendrotelm als auch Saftfluss aus. Von den vier Variablen, die wir auf ihren positiven Beitrag zu signifikanten gemeinsamen Vorkommen testeten, war der Baumdurchmesser in Brusthöhe die konsistenteste. Auf Grundlage unserer Ergebnisse und praktischer Erwägungen wählten wir drei TreM-Gruppen für Laubbäume und neun für Nadelbäume aus und erstellten daraus sinnvolle Auswahllisten, um die Anzahl der im Rahmen der routinemäßigen forstlichen Feldarbeit zu beurteilenden TreM-Gruppen zu reduzieren. Darüber hinaus birgt die Ermittlung potenzieller Ähnlichkeiten oder Zusammenhänge zwischen TreMs auch theoretischen Wert. So kann sie beispielsweise Forschern helfen, gemeinsame Faktoren zu identifizieren, die die TreM-Bildung begünstigen, oder Forstwirten dabei unterstützen, Bäume mit mehreren TreMs als Kandidaten für den Erhalt auszuwählen.