Entscheidungsfindung bei der Baumauswahl – Abwägung widerstreitender Ziele mithilfe von Marteloskop-Übungen

Publikationen

07. Juli 2020
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Bürger auf einem Marteloskop-Gelände in Nordrhein-Westfalen. Foto: EFI

Dieser Artikel untersucht, wie Personen mit unterschiedlichem beruflichem Hintergrund (Förster, Naturschützer, Studierende) bei der Auswahl von Bäumen zur Ernte oder zum Erhalt Entscheidungen treffen und dabei wirtschaftliche Ziele mit dem Schutz der Biodiversität in Einklang bringen. Er zeigt, dass die Baumauswahl nicht rein rational oder objektiv erfolgt: Entscheidungen basieren stark auf Erfahrung, Intuition und beruflichen Routinen, geprägt durch den institutionellen Kontext und den persönlichen Hintergrund. Die Ergebnisse verdeutlichen die Herausforderung, biodiversitätsfreundliche Praktiken in die forstwirtschaftliche Produktion zu integrieren.

Die Studie analysiert Entscheidungsprozesse in Marteloscope-Übungen, in denen die Teilnehmenden Ziele der Holzproduktion mit Biodiversitätswerten wie dem Erhalt von Habitatbäumen und Mikrohabitaten in Einklang bringen müssen. Mithilfe eines praxisorientierten, qualitativen Forschungsansatzes beobachten die Autoren, wie Förster, Naturschützer und Studierende Bäume bewerten und unter verschiedenen Rahmenbedingungen Kompromisse aushandeln.

Die Studie zeigt, dass Entscheidungen nicht rein rational oder regelbasiert getroffen werden, sondern vielmehr aus einer Mischung aus beruflicher Ausbildung, persönlicher Erfahrung, institutionellen Erwartungen und emotionalen Reaktionen resultieren. Professionelle Forstwirte priorisieren häufig produktionsorientierte Indikatoren, während Naturschützer Mikrohabitate und strukturelle Vielfalt betonen. Die Entscheidungen von Studierenden variieren je nach ihrem Hintergrund.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Umsetzung einer biodiversitätsfreundlichen Forstwirtschaft nicht nur eine technische oder ökologische, sondern auch eine soziale Frage ist. Institutionelle Kulturen, Routinen und berufliche Werte prägen die Ergebnisse maßgeblich. Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass eine sinnvolle Integration des Naturschutzes in die Wirtschaftswälder die Berücksichtigung und Einbeziehung dieser sozialen Dimensionen erfordert.

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Quelle/Autor(en)
  • Bettina Joa
  • Anne Paulus
  • Ronja Mikoleit
  • Georg Winkel
Betreff
  • Umsetzung
  • Integrative Waldbewirtschaftung
  • Soziales & Stakeholder
Stakeholders
  • Grundbesitzer & Praktiker
  • Planer & Umsetzer
  • Politische Akteure
Zweck
  • Spezifische Lebensräume (Totholz, Mikrohabitate, Lebensraumtypen,...)
  • Strukturelle Vielfalt
Biogeografische Region
  • Alpine
  • Continental
Länder
  • Deutschland
Veröffentlichungsdatum der Ressource
  • 2020