Waldverhandlungen: Marteloskope als Orte der Begegnung zwischen Klimaaktivisten und Forstmanagern

Publikationen

01. Dezember 2024
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Eine Martelscope-Site. Bildnachweis: Gesche Schifferdecker

Die Studie untersucht, ob von Förstern genutzte Waldübungsplätze auch als Räume für einen deliberativen Dialog zwischen Forstmanagern und jungen Klimaaktivisten dienen können. Durch die Beobachtung von Gruppenübungen und Diskussionen stellen die Autoren fest, dass diese Settings im Allgemeinen eine konstruktive Kommunikation fördern und zur Annäherung unterschiedlicher Perspektiven beitragen. Sie merken jedoch auch an, dass oft eine Wissenshierarchie fortbesteht, die einen wirklich offenen Dialog einschränken kann. Die Teilnehmenden brachten drei alternative Sichtweisen auf Wälder ein: als komplexe, lebendige Ökosysteme, als von Lebewesen bewohnt und im Hinblick auf Suffizienz und Nachhaltigkeit (insbesondere in Bezug auf die Holznachfrage und die globalen Märkte). Der Artikel argumentiert, dass solche Dialoge – insbesondere in informellen, persönlichen Gesprächen – das Verständnis und die Zusammenarbeit zwischen Experten und Laien verbessern können, gerade in einer Zeit, in der die Forstpolitik aufgrund des Klimawandels und des gesellschaftlichen Drucks zunehmenden Konflikten ausgesetzt ist.

In den letzten Jahren haben Klimawandel und gesellschaftliche Veränderungen die Anforderungen an eine multifunktionale Forstwirtschaft verkompliziert und neue Konfliktfelder eröffnet. Daher ist insbesondere die öffentliche Forstwirtschaft bestrebt, die Kommunikation und Interaktion mit gesellschaftlichen Gruppen zu verbessern, mit denen sie bisher wenig Kontakt hatte. In unserer Studie wenden wir das deliberative Demokratiemodell an, um die Eignung forstwirtschaftlicher Übungsstätten („Marteloskope“) zur Förderung des deliberativen Dialogs zwischen Forstwirten und jungen Klimaaktivisten über multifunktionale Forstwirtschaft zu untersuchen. Darüber hinaus analysieren wir die in diesem Kontext entstehenden Deutungsrahmen. Wir wählen ein exploratives Studiendesign mit teilnehmender Beobachtung und Gruppendiskussionen, die wir mithilfe sequenziell-rekonstruktiver Methoden auswerten. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Marteloskop-Übungen im Allgemeinen einen Dialog fördern, der den Kriterien deliberativer Kommunikation entspricht. Wir beobachten zudem eine deutliche Wissenshierarchie, die ein potenzielles Hindernis für offene deliberative Prozesse darstellt. Wir identifizieren drei zentrale Interpretationsansätze der Teilnehmenden, die gängige Sichtweisen auf den Wald teilweise in Frage stellen: (1) Wälder als komplexe Ökosysteme, (2) bestehend aus Lebewesen, und (3) Nachhaltigkeit als Suffizienz, fokussiert auf Holzverbrauch und die Rolle globaler Marktdynamiken. Die Reflexion und Anerkennung dieser Ansätze kann die Kommunikation zwischen Forstfachleuten und Nicht-Experten in Zeiten des Klimawandels und anderer tiefgreifender Veränderungen verbessern. Darüber hinaus empfehlen wir die Nutzung von Formaten, die informelle, direkte Gespräche ermöglichen, um Perspektiven zu erfassen und einzubeziehen, die in traditionellen Verwaltungsstrukturen möglicherweise nicht repräsentiert sind.

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Quelle/Autor(en)
  • Manuel John
  • Kristina Wirth
  • Anna Kaufmann
  • Hannah Ertelt
  • Theresa Frei
Betreff
  • Integrative Waldbewirtschaftung
  • Überwachung und Projektierung
  • Planung & Upscaling
Stakeholders
  • Grundbesitzer & Praktiker
  • Planer & Umsetzer
  • Politische Akteure
Zweck
  • Natürliche Prozesse und Erhaltung des Ökosystems
  • Soziale und kulturelle Werte
  • Strukturelle Vielfalt
Biogeografische Region
  • Alpine
  • Continental
Länder
Veröffentlichungsdatum der Ressource
  • 2024