Totholz großer Ausmaße bietet Lebensraum für holzzerstörende Pilze und xylobionte Insektenarten, die in Gebieten mit intensiver Forstwirtschaft bedroht sind. Foto: K. Vandekerkhove.
Der Abschlussbericht des Zentraleuropäischen Büros des European Forest Institute (EFFI) zum Projekt „Integrate“ präsentiert Forschungsergebnisse zur Integration des Biodiversitätsschutzes in die Forstwirtschaft. Er analysiert die Auswirkungen der Forstwirtschaft, Zielkonflikte und multifunktionale Wälder und bietet grenzüberschreitende Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis, die fundierte politische und praktische Entscheidungen in Mitteleuropa unterstützen.
Die positiven und negativen Auswirkungen forstwirtschaftlicher Bewirtschaftungsmethoden und die Frage, ob die Biodiversität in multifunktionalen Wäldern durch integrative oder segregative Ansätze besser gefördert werden kann, sind Gegenstand anhaltender Debatten. Die Abwägungen zwischen verschiedenen Interessen und Bewirtschaftungszielen müssen untersucht werden. Wälder werden primär in ihrer Phase der wirtschaftlichen Reife genutzt. Folglich sind Wälder in späten Entwicklungsstadien, im Degradationsprozess oder im Stadium des vollständigen Bestandszerfalls selten. Gerade diese Entwicklungsstadien weisen jedoch oft eine große Vielfalt an Nischen und Arten auf. Andererseits beherbergen Wälder, die über Jahrhunderte bewirtschaftet wurden, wie beispielsweise in Europa, häufig gefährdete Arten, die unter natürlichen Bedingungen verschwinden würden. Daher ist es wichtig, den Erhalt der Biodiversität in die Bewirtschaftung von Wirtschaftswäldern zu integrieren, um langfristig geeignete Lebensräume für Waldarten zu schaffen.
Aktuelle politische Prozesse wie die Verhandlungen über ein Europäisches Waldübereinkommen, die EU-Waldstrategie und die EU-Biodiversitätsstrategie, die Diskussionen über Nachhaltigkeitskriterien für Biomasse sowie der Leitfaden für die Forstwirtschaft in Natura-2000-Gebieten zeigen, dass weiterer wissenschaftlicher Beratungsbedarf zu diesen Fragen besteht. Die vorliegende Publikation präsentiert die Ergebnisse eines Forschungsprojekts von EFI-EFICENT, das 2011 vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) initiiert wurde. Ziel des Projekts war es, diese Fragen auf mitteleuropäischer Ebene, also über nationale Grenzen hinweg, zu untersuchen und Antworten zu liefern, die für Politik und Praxis hilfreich sind. Meiner Ansicht nach hat das Projekt hervorragende Arbeit geleistet, indem es den grenzüberschreitenden wissenschaftlichen Austausch zwischen renommierten Forschern auf diesem Gebiet organisierte, die Erfahrungen von Praktikern berücksichtigte und die aktuellsten Schlussfolgerungen zog. Ich hoffe, dass die Ergebnisse des Projekts relevante politische Prozesse informieren und unterstützen sowie zukünftige Diskussionen und weitere wissenschaftliche Arbeiten zur Integration der biologischen Vielfalt in die sektorübergreifende Forstwirtschaft anregen werden.