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Ein multidisziplinäres Expertenteam fasste den aktuellen Wissensstand zu den Ursachen und Auswirkungen von Borkenkäferplagen in Europa zusammen und schlug einen umfassenden, kontextabhängigen Rahmen für deren Management vor.
Ziel der Studie: Borkenkäferplagen haben in den Nadelwäldern der Nordhalbkugel ein beispielloses Ausmaß erreicht und werden sich aufgrund des Klimawandels voraussichtlich noch verstärken. In Teilen Europas haben Borkenkäferplagen und die Bekämpfungsmaßnahmen sogar zu sozialen Unruhen und politischer Instabilität geführt. Diese Ereignisse stellen die traditionellen Bekämpfungsstrategien zunehmend in Frage und unterstreichen die Notwendigkeit eines umfassenderen Managementkonzepts.
Aktuelle Erkenntnisse: Es existieren bereits mehrere Synthesearbeiten zu verschiedenen Aspekten der Ökologie und des Managements von Borkenkäfern. Unser Verständnis der Ursachen und Auswirkungen von Massenvermehrungen, der Prinzipien des Ökosystemmanagements, der Governance und der Rolle des Klimawandels in der Dynamik ökologischer und sozialer Systeme hat sich in den letzten Jahren jedoch rasant weiterentwickelt. Diese Fortschritte legen eine Überprüfung bisheriger Managementstrategien nahe.
Zusammenfassung: Wir fassen den aktuellen Wissensstand zu Ursachen und Auswirkungen von Borkenkäferbefall in Europa zusammen und schlagen einen umfassenden, kontextabhängigen Rahmen für dessen Management vor. Wir veranschaulichen unsere Ideen anhand zweier gegensätzlicher gesellschaftlicher Ziele, die die Extrempunkte eines Kontinuums forstwirtschaftlicher Ziele darstellen: Holz- und Biomasseproduktion sowie Erhaltung der Biodiversität und natürlicher Prozesse. Für Wirtschaftswälder schlagen wir einen Managementansatz vor, der ökonomische, soziale, ökologische, infrastrukturelle und rechtliche Aspekte von Borkenkäferbefall berücksichtigt. In Naturschutzwäldern, in denen Nichteingreifen die Standardoption ist, erläutern wir, unter welchen Umständen ein aktives Eingreifen notwendig ist und ob ein solches Eingreifen dem Ziel der Biodiversitätserhaltung entgegensteht. Unser Ansatz überarbeitet die derzeitige Managementstrategie gegenüber Borkenkäfern in Europa und fördert einen interdisziplinären sozial-ökologischen Ansatz im Umgang mit diesen Störungen.