Walddürre (Foto: Adobe Stockbilder)
Diese Arbeit skizziert wissenschaftlich fundierte Wege für eine klimaschonende Forstwirtschaft angesichts zunehmender Hitze und Dürre. Der Überblick erläutert, wie Wasserstress die Baumhydraulik, die Kohlenstoffverteilung und die Ökosystemfunktionen beeinträchtigt und das Risiko des Baumsterbens erhöht. Er bewertet verschiedene Managementinstrumente – Artenwahl, Mischbestände, Durchforstung, Strukturvielfalt und Nährstoffmanagement – und hebt dabei Zielkonflikte sowie die Notwendigkeit adaptiver Strategien hervor, um die Widerstandsfähigkeit, die Kohlenstoffspeicherung und die Multifunktionalität der Wälder in einem sich erwärmenden Klima zu erhalten.
Wälder bedecken fast ein Drittel der Erdoberfläche und bilden die Grundlage für Biodiversität, Klimaregulierung und menschliches Wohlergehen. Steigende Temperaturen, häufigere und intensivere Dürreperioden sowie zunehmende Störungen bringen viele Waldökosysteme jedoch an ihre historischen Grenzen. Eine neue Übersichtsarbeit, veröffentlicht in New Phytologist, bietet einen zeitgemäßen und mechanismenbasierten Leitfaden für ein klimaschonendes Waldmanagement unter diesen sich rasch verändernden Bedingungen.
Die vorliegende Arbeit fasst den aktuellen Wissensstand darüber zusammen, wie Hitze und Dürre die Ökophysiologie von Bäumen beeinträchtigen. Sie erklärt, wie Wassermangel und ein hoher Dampfdruck die Wasserversorgungssysteme schädigen, das Wachstum vor dem Einsetzen der Photosynthese reduzieren, die Kohlenstoffverteilung verändern und die Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheitserreger erhöhen. Anhaltender Stress kann zu einem Versagen der Wasserversorgung oder zu Kohlenstoffmangel führen und letztendlich das Absterben von Wäldern verursachen. Auf der Ebene des Ökosystems schwächen diese Prozesse die Kohlenstoffbindung, verändern den Nährstoffkreislauf und können Wälder in Extremjahren sogar von Kohlenstoffsenken zu Kohlenstoffquellen machen.
Entscheidend ist, dass die Autoren über die reine Problemdiagnose hinausgehen. Sie bewerten kritisch, wie Bestandesmanagement Klimastress entweder abmildern oder verschärfen kann. Die Studie untersucht fünf zentrale Hebel: die Wahl der Baumarten (einschließlich unterstützter Umsiedlung), Artenmischungen, Bestandesdichteregulierung, strukturelle Diversifizierung (Alter, Höhe, Schichtung) und Nährstoffmanagement. Anstatt pauschale Lösungen anzubieten, hebt die Studie Zielkonflikte hervor – beispielsweise zwischen Trockenresistenz und Wachstumseffizienz.
Ein besonders innovativer Beitrag ist die Integration von „Trockenlandmechanismen“ in die klimaschonende Forstwirtschaft. Merkmale wie die hydraulische Umverteilung, die Wasseraufnahme über die Blätter und die Kühlung des Kronendachs durch konvektiven Wärmefluss – die in ariden Ökosystemen weit verbreitet sind – könnten in gemäßigten Wäldern gezielt gefördert werden, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Klimaveränderungen zu stärken.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass ungleichaltrige, strukturell vielfältige Mischwälder in Kombination mit gezielter Durchforstung und sorgfältiger Artenauswahl die größte Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze und Dürre bieten dürften. Sie betonen jedoch, dass Langzeitversuche und eine engere Zusammenarbeit zwischen Ökologen und Forstmanagern unerlässlich sind, um diese Ansätze zu testen und weiterzuentwickeln.
Durch die Verankerung klimaschonender Forstwirtschaft in ökophysiologischen Mechanismen liefert diese Arbeit eine solide wissenschaftliche Grundlage für die Sicherung der Multifunktionalität des Waldes.