Temporärer Saatkamp mit Buche und Eiche. Bild: Carsten Arndt, Wald und Holz NRW
Eine häufige Herausforderung bei Aufforstungsmaßnahmen ist die Verfügbarkeit von ausreichendem Pflanzmaterial, sowohl in Bezug auf Menge als auch Qualität. Baumschule/Saatbeet im Wald kann die Wiederherstellungsbemühungen durch die Bereitstellung eines Bestands an lokal angepassten Setzlingen unterstützen. Vorteile sind geringere Kosten im Vergleich zu extern beschafftem Setzling und eine effizientere logistische Planung. Die Setzlinge sind an die lokalen Standortbedingungen angepasst, wobei der Klimawandel natürlich berücksichtigt werden muss, und es kann sein, dass letztendlich ein Mix aus verschiedenen Quellen gepflanzt wird.
Die Einrichtung kleiner Baumschulen oder Waldgärten innerhalb von Waldbeständen ist in Deutschland keine neue Praxis. Saatkamp, Plural SaatkämpeViele Forstbetriebe nutzten diese Methode der Setzlingsvermehrung, entweder für permanente oder temporäre Anlagen. Koch (2017) merkt an, dass bereits im 17. Jahrhundert die Forstverordnungen der Gebietsbehörden von Hessen und Braunschweig die Einrichtung von Baumschulen für Eichen im Wald vorschrieben. Diese Praxis wurde mindestens bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts fortgeführt, bevor private Baumschulen zunehmend die Produktion von Pflanzgut für forstwirtschaftliche Zwecke übernahmen. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass diese Praxis bis heute fortbesteht.
Permanente Baumschulen im Wald sind vergleichbar mit den Baumschulbeeten kommerzieller Baumschulen. Ein ausgewähltes Stück Land im Forstrevier wird vorbereitet, eingezäunt, mit gesammeltem oder gekauftem Saatgut bepflanzt und anschließend gepflegt. Temporäre Waldbaumschulen sind weniger arbeitsintensiv, da in der Regel keine Pflege oder Aufzucht der Setzlinge erforderlich ist. Eine temporäre Waldbaumschule wird in einem Mastjahr mit geeigneten Mutterbäumen in einen bestehenden Waldbestand eingepflanzt und für einen Zeitraum von ca. 2-4 Jahren zur Samengewinnung genutzt. Nach dieser Zeit wachsen die verbleibenden Pflanzen zu einem neuen Waldbestand heran.
Quelle
Koch, M. (2017). Relikte neuzeitlicher Waldwirtschaft auf dem Digitalen Geländemodell im Umfeld Höxters. Archäologie in Westfalen-Lippe 2016, S. 254–257. https://doi.org/10.11588/aiw.2017.0.57743
Eine häufige Herausforderung bei Renaturierungsinitiativen besteht darin, ausreichend geeignetes Pflanzmaterial sowohl quantitativ als auch qualitativ zu sichern. Dies ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, darunter eine hohe Nachfrage nach bestimmten Baumarten und unregelmäßige Mastzeiten. Darüber hinaus verändert der Klimawandel die Pflanzzeit durch eine Verlängerung der Vegetationsperiode, was wiederum das optimale Pflanzfenster verkürzt und die Planung und Durchführung von Pflanzmaßnahmen erschwert.
Einrichtung einer temporären Baumschule im Wald
1. Auswahl des Waldbestandes: Wählen Sie einen Standort mit geeigneten Mutterbäumen der gewünschten Baumart, idealerweise in der Nähe eines bestehenden Straßennetzes, um die Ansiedlung und Nutzung zu erleichtern.
2. Warten auf den MastfallDie Umsetzung erfolgt in einem Mastjahr, wenn die Mutterbäume auf natürliche Weise ihre Samen abwerfen, wodurch die Verfügbarkeit von Samen maximiert wird.
3. Kronendachöffnung durch selektive Baumentfernung: Nach dem Fällen der Masten sollten gezielt Bäume entfernt werden, um die Lichtverhältnisse für das Wachstum der Jungpflanzen zu verbessern. Vermeiden Sie große Lücken, um zu schnelles Jungpflanzenwachstum und Konkurrenzwachstum zu verhindern. Das Ziehen der Krone gefällter Bäume durch den Boden hilft, noch mehr Samen zu erhalten.
4. Saatgutzugabe und Bodenvertikutierung: Fügen Sie Samen aus anderen genetischen Quellen hinzu, um die genetische Vielfalt sicherzustellen (30 bis 40 Mutterbäume). Reißen Sie den Boden auf, um die Keimung und das Anwachsen der Sämlinge zu verbessern und das Sammeln der Sämlinge bei minimaler Wurzelschädigung zu erleichtern.
5. Fechten: Zaun die Baumschule im Wald ein um Setzlinge vor Verbiss zu schützen.
Die Sämlinge sollten gesammelt werden, wenn sie die gewünschte Größe erreicht haben. Je kleiner die Sämlinge sind, desto einfacher ist es, sie zu sammeln, ohne die Wurzeln zu beschädigen.
Ideale Wetterbedingungen zum Sammeln und Pflanzen von Setzlingen sind kühle Bedingungen, vorzugsweise mit leichtem Nieselregen.
Eine temporäre Baumschule im Wald kann je nach Art und Wachstumsgeschwindigkeit der Setzlinge zwei bis vier Jahre lang Setzlinge liefern. Es gibt keine festgelegte Größe für die Einrichtung eines Saatkamps.
Die Praxis basiert stark auf lokalem Praxiswissen.
Die Praxis wird nicht systematisch überwacht. Allerdings wird diese Methode der Setzlingsproduktion in Deutschland seit mehreren hundert Jahren angewandt. Daher kann davon ausgegangen werden, dass sie in verschiedenen Kontexten vielfach repliziert wurde.
Erhöhte Flexibilität bei PflanzvorgängenDa die Setzlinge in der Nähe der Rekultivierungsstelle produziert werden, können sie bei Bedarf geerntet werden. Dies reduziert den Handhabungsaufwand und Verluste sowie die Abhängigkeit von festen Lieferplänen externer Lieferanten. Die Möglichkeit, die Pflanzung in Echtzeit an die Wetterbedingungen anzupassen, verbessert zusätzlich die Betriebseffizienz und den Pflanzerfolg.
Geringere Abhängigkeit von privaten KindergärtenTemporäre Baumschulen im Wald bieten eine unabhängige, lokal bewirtschaftete Quelle für Pflanzgut und verringern so die Abhängigkeit von kommerziellen Baumschulen, denen es möglicherweise an ausreichendem Bestand an gewünschten Arten und Herkünften mangelt. Diese Autonomie minimiert Verzögerungen bei der Wiederaufforstung aufgrund von Lieferengpässen. Zudem ist Pflanzgut aus Waldbaumschulen in der Regel günstiger als extern bezogenes Material.
Verbesserte Anpassung des Pflanzmaterials an die örtlichen StandortbedingungenDa Setzlinge aus vor Ort oder in der Nähe gesammelten Samen gezogen werden, sind sie in der Regel besser an die lokalen Umweltbedingungen, einschließlich Boden, Klima und biotische Wechselwirkungen, angepasst als extern bezogenes Pflanzmaterial. Dies kann die Überlebensraten, das Wachstumsverhalten und die Widerstandsfähigkeit verbessern. Die Verwendung von lokal gewonnenem Material kann zudem den Erhalt regional angepasster genetischer Ressourcen unterstützen und die ökologische Integrität von Renaturierungsbemühungen verbessern.
Konkurrierende LandnutzungFür Baumschulen im Wald werden spezielle Flächen innerhalb produktiver Waldbestände benötigt. Die Flächen bleiben jedoch für die Holzproduktion verfügbar, und die temporären Baumschulen im Wald werden nach einer gewissen Zeit (in der Regel 2-4 Jahre) (wieder) verlegt.
- Lokale Förster schlugen vor, Pflanzmaterial aus lokal beschafften, temporären Baumschulen im Wald zu verwenden. zeigten weniger Verbissschäden.
Verschiedene Baumarten können in einer temporären Baumschule im Wald gemeinsam angebaut und bezogen werden. Beispielsweise kann eine Baumschule in einem Buchenbestand mit Samen der Weißtanne ergänzt werden. Darüber hinaus entwickelt sich dort oft natürliche Vegetation anderer Baumarten, die ebenfalls zur Wiederaufforstung genutzt werden kann.
Weitere positive Auswirkungen:
- Erhaltung lokaler genetischer Ressourcen
- Reduzierte Wiederherstellungskosten
- Erhöhte Betriebsautonomie
- Low-Tech-Ansatz zur Beschaffung von Pflanzmaterial
Rückmeldungen zu den Vorteilen und positiven Auswirkungen dieser Methode kamen vor allem von lokalen Förstern, die diese Methode zur Beschaffung von Pflanzmaterial nutzen. Sie betonten die geringere Abhängigkeit von externer Saatgutversorgung und die verbesserte betriebliche Effizienz der Wiederaufforstungsbemühungen, insbesondere hinsichtlich der Verfügbarkeit von Setzlingen und des Pflanzzeitpunkts, als Hauptvorteile dieser Methode.
Die prognostizierten Auswirkungen des Klimawandels auf die Eignung der Arten müssen sorgfältig bewertet werden. Um diesem Risiko zu begegnen, sollten Kombinationen mit Saatgut anderer Herkunft oder unterstützte Migration in Betracht gezogen werden.