Stehendes Totholz (Foto: Gesche Schifferdecker)
Europas Wälder erleben einen stillen Wandel – Totholz wird zu einer ökologischen Priorität. „Leben im Totholz“, der letzte Dokumentarfilm des LIFE SPAN-Projekts, untersucht, wie Totholz in aktiv bewirtschafteten Wäldern erhalten werden kann. Gedreht in Italien und Deutschland, begleitet der Film Forscher und Förster bei ihrer Arbeit zum Schutz saproxyler Arten, die auf verrottendes Holz angewiesen sind. Im Fokus stehen sogenannte „Saproxyle Lebensräume“ – kleine Flächen, auf denen Bäume altern und verrotten dürfen und so lebenswichtige Lebensräume entstehen. Anstelle isolierter Schutzgebiete bilden diese Flächen Netzwerke, die die Artenvielfalt erhalten. Indem das Projekt die Wahrnehmung verändert und Verfall als Leben begreift, fördert es eine adaptive Forstwirtschaft, die menschliche Nutzung und ökologische Kontinuität in Einklang bringt.
Europas Wälder erleben einen stillen Wandel – einen Wandel, der das gestrige „Abfallholz“ zur heutigen ökologischen Priorität macht.
Ein neuer Dokumentarfilm wirft ein neues Licht auf die Bewirtschaftung der Wälder in ganz Europa und verlagert die Debatte von der Frage, ob Totholz einen Wert hat, hin zu der Frage, wie es in Kulturlandschaften erhalten werden sollte. Das Leben in Deadwood, der letzte Film aus der LEBENSZEIT-Projekt, untersucht diesen sich entwickelnden Ansatz anhand von Fallstudien im Cansiglio-Wald in Italien und im Sailershausen-Universitätswald in Deutschland.
Unter der Leitung des Naturschutzbiologen Jörg Müller von der Universität Würzburg beleuchtet der 20-minütige Film ein subtiles, aber entscheidendes Spannungsverhältnis: das Zusammenleben von forstwirtschaftlichen Praktiken des Menschen und saproxylen Organismen – Arten, die auf totes und verrottendes Holz angewiesen sind. Anstatt diese Elemente als Abfall zu betrachten, präsentiert der Dokumentarfilm sie als essenzielle Bestandteile von Waldökosystemen.
Im Zentrum des LIFE SPAN-Projekts steht das Konzept der „Saproxylen Habitatflächen“ (SHS). Dabei handelt es sich um ausgewiesene Bereiche innerhalb bewirtschafteter Wälder, in denen natürliche Alterungsprozesse stattfinden können. Große, alte Bäume bleiben stehen, umgestürzte Stämme werden nicht gestört, und Lücken im Kronendach fördern die Artenvielfalt. Projektkoordinator Bruno De Cinti betont die Bedeutung der Vernetzung: Wenn diese Flächen Netzwerke bilden, können sich Arten in der Landschaft ausbreiten und gedeihen.
Der Film plädiert außerdem für einen Perspektivenwechsel. Was die traditionelle Forstwirtschaft einst entfernte – abgebrochene Äste, hohle Stämme und verrottendes Holz – wird als wichtiger Lebensraum wiederhergestellt. Forstmanager Daniel Kraus merkt an, dass die Dokumentation den Zuschauern hilft, ein besseres Auge für diese oft übersehenen Merkmale zu entwickeln.
YouTube-Video: https://youtu.be/__3HFlAZMnQ?si=Nb9y4u3EHwJhWPgn
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