Die Bedeutung klimaschonender Forstwirtschaft – Eine narrative Literaturübersicht

Publikationen

01. Juli 2026
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Grafik zur Veranschaulichung der 3 Säulen der „klimafreundlichen Forstwirtschaft“

Da der Klimawandel die Wälder weltweit beeinflusst, ist die „klimaschonende Forstwirtschaft“ zu einem populären Konzept in Wissenschaft und Politik geworden. Doch was bedeutet das eigentlich?

Eine neue Studie, die ein Jahrzehnt wissenschaftlicher Literatur auswertete, kam zu dem Ergebnis, dass es keine einheitliche Definition gibt. Stattdessen vereint die klimaschonende Forstwirtschaft verschiedene Denkansätze zum Thema Wälder und Klimawandel. Einige Ansätze konzentrieren sich auf die Speicherung von mehr Kohlenstoff, andere auf die Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Wäldern gegenüber Dürren, Stürmen und Schädlingen, während wieder andere Innovation, Governance und Zusammenarbeit betonen.

Die Studie deckt zudem eine wichtige Lücke auf: Während von Wäldern erwartet wird, dass sie gleichzeitig Klima-, Biodiversitäts- und wirtschaftliche Vorteile bringen, wird Fragen darüber, wer die Entscheidungen trifft, wer davon profitiert und wer die Kosten trägt, weit weniger Beachtung geschenkt.

Durch die Identifizierung von vier wiederkehrenden Ansätzen zum Verständnis klimaschonender Forstwirtschaft bietet die Studie neue Einblicke in eines der einflussreichsten Konzepte, die die Zukunft der Forstwirtschaft prägen.

Der Klimawandel verändert die Wälder weltweit. Häufigere Dürren, Stürme, Waldbrände und Schädlingsbefall machen die Forstwirtschaft immer komplexer. Gleichzeitig sollen Wälder Kohlenstoff speichern, die Artenvielfalt fördern, Holz liefern, Wasserressourcen schützen und die Lebensgrundlagen der ländlichen Bevölkerung sichern.

Vor diesem Hintergrund hat sich die klimaschonende Forstwirtschaft (CSF) zu einem weit verbreiteten Konzept in Wissenschaft und Politik entwickelt. Doch was genau bedeutet das?

Eine neue Studie im Rahmen des FORWARDS-Projekts liefert die erste systematische Analyse der Interpretation des Konzepts der klimaintelligenten Forstwirtschaft in der wissenschaftlichen Literatur des letzten Jahrzehnts. Die Untersuchung von 32 wissenschaftlichen Publikationen aus den Jahren 2015 bis 2025 zeigt, dass klimaintelligente Forstwirtschaft kein einheitliches, starres Rahmenkonzept darstellt. Vielmehr handelt es sich um ein flexibles Konzept, das verschiedene Perspektiven darauf vereint, wie Wälder zum Klimaschutz beitragen können.

Mithilfe thematischer Narrationsanalyse identifizierten die Forschenden vier wiederkehrende Ansätze zur Darstellung von CSF (Climate Support Forests). Einige Publikationen konzentrieren sich auf Wälder als zentrales Instrument zur Erreichung von Klimaschutzzielen durch Kohlenstoffspeicherung und -bindung. Andere betonen den Aufbau resilienter, multifunktionaler Wälder, die auch unter veränderten Klimabedingungen weiterhin vielfältige Ökosystemleistungen erbringen können. Eine dritte Perspektive hebt Innovation, Technologie und verbesserte Forstwirtschaftspraktiken hervor, während eine vierte den Fokus stärker auf Governance, Zusammenarbeit und die sozialen Dimensionen des Klimaschutzes legt.

Trotz dieser unterschiedlichen Perspektiven zeigte die Studie einen klaren gemeinsamen Nenner: Nahezu alle Interpretationen klimaintelligenter Forstwirtschaft zielen darauf ab, Klimaschutz und Klimaanpassung miteinander zu verbinden. Die Forschenden identifizierten jedoch auch eine wichtige Lücke. Während soziale Aspekte wie die Einbindung von Interessengruppen zunehmend Erwähnung finden, wird Fragen der Gerechtigkeit, der Macht und der Verantwortung deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Wer entscheidet über die Bewirtschaftung von Wäldern? Wer profitiert von klimaorientierten Forstpolitiken? Wer trägt die Kosten und Risiken ihrer Umsetzung? Diese Fragen sind weitgehend unerforscht.

Die Studie hebt zudem hervor, dass sich das Konzept der nachhaltigen Nachhaltigkeit weiterentwickelt. Ursprünglich auf Klimaziele ausgerichtet, schließt es zunehmend auch den Erhalt der Biodiversität und weitergehende Nachhaltigkeitsziele mit ein. Mit der Einbeziehung weiterer Ziele gewinnt das Verständnis potenzieller Zielkonflikte immer mehr an Bedeutung. Maßnahmen zur Maximierung der Kohlenstoffspeicherung führen beispielsweise nicht immer zu den besten Ergebnissen für die Biodiversität, die Holzproduktion oder die lokale Bevölkerung.

Indem die Studie diese zugrundeliegenden Narrative explizit macht, bietet sie eine neue Perspektive auf CSF. Anstatt zu fragen, welche Interpretation „richtig“ ist, zeigt sie, wie unterschiedliche Auffassungen die Forstpolitik, die Managementprioritäten und die Zukunftsvisionen für Wälder prägen.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die klimaschonende Forstwirtschaft eine wichtige Rolle bei der Bewältigung des Klimawandels spielen kann – jedoch nur, wenn die Diskussionen über technische Lösungen hinausgehen und auch Governance, Partizipation und die vielfältigen Werte der Wälder einbeziehen. Die Sichtbarmachung dieser unterschiedlichen Perspektiven kann eine transparentere, inklusivere und reflektiertere Forstpolitik fördern, während Gesellschaften mit zunehmend komplexen klimatischen Herausforderungen konfrontiert werden.

 

Medien

  • Merkmale der jeweiligen CSF-Rahmen
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Quelle/Autor(en)
  • Elaine Anne Parlade
  • Gerhard Weiss
Topic
  • Integrative Waldbewirtschaftung
  • Soziales & Stakeholder
Stakeholders
  • Grundbesitzer & Praktiker
  • Planer & Umsetzer
  • Politische Akteure
Zweck
  • Klimaschutz
  • Soziale und kulturelle Werte
  • Strukturelle Vielfalt