Balkendiagramm zur Darstellung der Verteilung der 172 einbezogenen Studien auf die verschiedenen Länder und wie viele davon in die Metaanalysen einbezogen werden konnten.
Diese systematische Übersichtsarbeit bietet eine umfassende Zusammenfassung empirischer Studien, die den Einfluss der Landschaftsfragmentierung auf das Vorkommen schutzrelevanter Arten in Waldbeständen analysieren. Sie berücksichtigt 172 Einzelstudien, von denen 43 einer quantitativen Metaanalyse unterzogen wurden. Obwohl die Ergebnisse eine signifikante Heterogenität der Landschaftseffekte aufzeigen, bestätigen sie im Allgemeinen den Einfluss der Fragmentierung sowohl auf das Vorkommen als auch auf die Abundanz von Arten.
Forstwirtschaft und Landnutzungsänderungen zählen weltweit zu den Hauptursachen für Lebensraumverlust, -degradierung und -fragmentierung. Auch der boreale Wald bildet hier keine Ausnahme; nur ein geringer Teil dieses Waldtyps ist noch intakt. Da die Forstwirtschaft in dieser Region weiterhin eine wichtige Landnutzungsform darstellt, müssen Maßnahmen zum Erhalt der waldabhängigen Biodiversität ergriffen werden. Bestandesmerkmale und -strukturen, die für den Naturschutz relevante Arten fördern, haben bereits viel Aufmerksamkeit erfahren, die Landschaftsperspektive wird jedoch häufig vernachlässigt. Daher untersuchen wir die Literatur, die den Zusammenhang zwischen der Fragmentierung der umgebenden Landschaft und dem Vorkommen bedrohter, rückläufiger, gefährdeter, seltener oder auf Totholz angewiesener Arten sowie von Indikator-, Flaggschiff-, Schirm- und/oder Schlüsselarten in einem bestimmten borealen Waldbestand untersucht.
Eine umfassende Suchanfrage wurde entwickelt, validiert und für vier bibliografische Datenbanken, zwei Suchmaschinen und 37 Fachwebseiten angepasst. Das Online-Tool Cadima zur Evidenzsynthese wurde für die Sichtung von Abstracts und Volltexten verwendet. Alle Artikel, die die Einschlusskriterien erfüllten, wurden einer Validitätsprüfung unterzogen und in einer Übersichtstabelle zusammengefasst. Studien, die Mittelwerte und Varianzen angaben, wurden in die quantitative Metaanalyse einbezogen, sofern mehr als drei vergleichbare Studien vorlagen.
Die Recherchen ergaben 20 einzigartige Artikel, von denen 153 Artikel auf 172 Studien reduziert wurden. Diese Studien untersuchten das Vorkommen, die Abundanz, den Artenreichtum und/oder die Zusammensetzung von Arten mit Bezug zum Naturschutz auf Bestandesebene in Abhängigkeit von Landschaftsfaktoren wie: Fragmentierungsintensität (hoch vs. niedrig), Menge an Habitat bzw. Nicht-Habitat, Entfernung zum Habitat und/oder Habitatkonfiguration auf Skalen von einigen zehn bis zu zehntausend Hektar. 890 Studien eigneten sich für eine Metaanalyse. Diese zeigten einen signifikanten negativen Effekt der Fragmentierung sowohl auf das Vorkommen als auch auf die Abundanz von Arten mit Bezug zum Naturschutz sowie einen nahezu signifikanten Trend für den Artenreichtum. Dies wurde besonders deutlich, wenn die Fragmentierung für das Vorkommen als Entfernung zum umgebenden Habitat gemessen wurde.