Auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Renaturierung: Ein integrierter Rahmen für Biodiversität, Klimawandel und Gesellschaft

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06. Juli 2026
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Ehemaliges landwirtschaftliches Gelände in Polen (Foto von https://pixabay.com/users/arcaion-2057886/)

Klimaschonende Renaturierung könnte die Art und Weise, wie Europa die Natur wiederherstellt und gleichzeitig den Klimawandel bekämpft, grundlegend verändern. Eine neue Studie präsentiert einen praktischen Rahmen, der die Wiederherstellung der Biodiversität, die Kohlenstoffspeicherung, die Klimaanpassung und gesellschaftliche Vorteile miteinander verbindet und politischen Entscheidungsträgern hilft, die Bereiche zu identifizieren, in denen Renaturierung die größte Wirkung erzielen kann. Anhand Europas als Fallbeispiel zeigen die Forscher Möglichkeiten auf, brachliegendes Ackerland wiederherzustellen, ökologische Korridore zu schaffen, die Wildtieren helfen, sich an das wärmere Klima anzupassen, und die ländliche Wirtschaft durch naturnahen Tourismus zu stärken. Gleichzeitig berücksichtigt der Rahmen explizit Zielkonflikte, darunter Waldbrandrisiken, konkurrierende Landnutzungen und potenzielle Konflikte zwischen sich erholenden Raubtieren und der Viehhaltung. Anstatt eine einheitliche Renaturierungsmaßnahme zu propagieren, betont der Ansatz lokal angepasste Lösungen, die ökologische, klimatische und soziale Prioritäten in Einklang bringen. Der Rahmen bietet ein wirkungsvolles Entscheidungsinstrument zur Umsetzung ambitionierter Biodiversitäts- und Klimaziele und gewährleistet gleichzeitig, dass wiederhergestellte Ökosysteme widerstandsfähig, selbsttragend und sowohl für Mensch als auch Natur von Nutzen bleiben.

Eine neue Studie – entwickelt im Rahmen von wildE-Projekt Der Ansatz schlägt ein umfassendes Rahmenkonzept für klimaschonende Renaturierung vor und argumentiert, dass die Wiederherstellung von Ökosystemen gleichzeitig die Wiederherstellung der Biodiversität, den Klimaschutz, die Klimaanpassung und gesellschaftliche Vorteile fördern sollte, anstatt sich auf ein einzelnes Ziel zu konzentrieren. Dieser Ansatz kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Länder zunehmend unter Druck geraten, internationale Verpflichtungen zu erfüllen, darunter das Globale Biodiversitätsrahmenabkommen von Kunming und Montreal, das die Wiederherstellung von mindestens 30 % der degradierten Ökosysteme bis 2030 fordert, sowie EU-Rechtsvorschriften zur Renaturierung und Klimaziele.
Die Autoren argumentieren, dass viele Renaturierungsprojekte weiterhin entweder die Kohlenstoffbindung oder den Erhalt der Biodiversität priorisieren, was häufig zu Zielkonflikten führt. Kohlenstofforientierte Maßnahmen wie Monokultur-Baumplantagen können messbare Kohlenstoffspeicher zwar schnell erhöhen, vereinfachen aber oft Ökosysteme und verringern deren Widerstandsfähigkeit gegenüber Störungen. Biodiversitätsorientierte Maßnahmen hingegen können Lebensräume wiederherstellen, ohne jedoch substanzielle oder unmittelbare Klimaschutzvorteile zu erzielen. Der vorgeschlagene Rahmen sieht stattdessen die Renaturierung – die Wiederherstellung sich selbst erhaltender Ökosysteme durch minimale menschliche Eingriffe – als Möglichkeit, mehrere Ziele in verschiedenen Landschaften optimal zu verfolgen.
Kern des Konzepts ist die Wiederherstellung natürlicher ökologischer Prozesse, darunter eine verbesserte Vernetzung von Lebensräumen, eine höhere trophische Komplexität durch die Rückkehr von Schlüsselarten und natürlichere Störungsregime. Diese Prozesse, so argumentieren die Forscher, stärken die Widerstandsfähigkeit des Ökosystems, erhöhen die Kohlenstoffspeicherung und schaffen breitere gesellschaftliche Vorteile, während gleichzeitig der Bedarf an intensivem, langfristigem Management reduziert wird.
Anhand von Europa als Fallbeispiel wandte das Team das Rahmenkonzept an, um zu ermitteln, wo klimaschonende Renaturierung die größten Synergien erzeugen kann – und wo Zielkonflikte eine sorgfältige Planung erfordern. Drei Beispiele veranschaulichen die praktische Anwendung.
Der erste Schwerpunkt liegt auf brachliegenden Ackerflächen als Chance zur Eindämmung des Klimawandels. In ganz Europa schreitet die Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen immer schneller voran, da die ländliche Bevölkerung schrumpft und die Landwirtschaft weniger rentabel wird. Rund 200,000 Quadratkilometer Ackerland in der EU sind in den kommenden Jahrzehnten stark von der Aufgabe bedroht, was bedeutende Möglichkeiten für die ökologische Wiederherstellung eröffnet. Durch die Kombination von Prognosen zur Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen mit Karten des Kohlenstoffspeicherpotenzials und der ökologischen Integrität identifizierten die Forschenden Landschaften, die durch Renaturierung zusätzlich 3.4 Petagramm Kohlenstoff speichern könnten. Zu den wichtigsten Hotspots zählen der Apennin und Sizilien in Italien, die Alpen, Nordspanien, Westbritannien und Irland sowie Teile Polens, der Slowakei, Bulgariens und Rumäniens. Die Studie weist jedoch darauf hin, dass die Regeneration der Vegetation auch das Waldbrandrisiko erhöht, insbesondere in mediterranen Regionen, und unkontrolliertes Wachstum invasiver Arten begünstigen kann. Um die Kohlenstoffgewinnung zu maximieren und gleichzeitig die Risiken zu minimieren, empfehlen die Autoren integrierte Managementmaßnahmen wie die Wiedereinführung großer Pflanzenfresser, die Aufrechterhaltung von Wanderrouten, die Durchführung kontrollierter Brände geringer Intensität und, wo angebracht, die Anwendung von kontrollierter Beweidung.
Eine zweite Fallstudie zeigt, wie Renaturierung die Klimaanpassung durch ökologische Vernetzung stärken kann. Da der Klimawandel geeignete Lebensräume nach Norden und in höhere Lagen verlagert, sind Arten zunehmend auf vernetzte Landschaften angewiesen, um zu überleben. Mithilfe der Klimageschwindigkeit – einem Maß dafür, wie schnell Arten wandern müssen, um mit den sich ändernden Temperaturen Schritt zu halten – identifizierten die Forschenden Nordosteuropa, einschließlich Polen, den baltischen Staaten, Finnland, Schweden und Irland, als prioritäre Regionen für die Wiederherstellung von Wanderkorridoren. Im Gegensatz dazu unterliegen Gebirgsregionen wie die Alpen, der Balkan und Teile der Iberischen Halbinsel einem langsameren Klimawandel und bleiben wichtige Klimarefugien. Die Renaturierung brachliegender Ackerflächen zu vielfältigen Mosaiken aus Wäldern, Grasland und Strauchland könnte dazu beitragen, fragmentierte Lebensräume wieder zu verbinden und die Wanderung von Arten zu erleichtern. Die Studie weist jedoch darauf hin, dass die Einrichtung ökologischer Korridore oft mit Landwirtschaft, Infrastrukturentwicklung und anderen Landnutzungen konkurriert, weshalb eine lokal angepasste Planung unerlässlich ist.
Das Rahmenkonzept berücksichtigt explizit soziale Chancen und Risiken – ein Aspekt, der in der Renaturierungsplanung oft vernachlässigt wird. Renaturierung kann die Wasserqualität verbessern, die Auswirkungen von Überschwemmungen und Dürre verringern, neue Erholungsmöglichkeiten schaffen und die ländliche Wirtschaft durch Wildtier-Tourismus ankurbeln. Durch die Kartierung der potenziellen touristischen Nachfrage und der erwarteten Rückkehr großer Säugetiere ermittelten die Forscher die größten Chancen in Mitteleuropa – darunter Süddeutschland, die Schweiz und Österreich – sowie in Nordspanien, Südfrankreich und Norditalien, wo sich erholende Wildtierpopulationen mit einer hohen Besucherzugänglichkeit zusammentreffen.
Gleichzeitig stellt die Rückkehr von Raubtieren eine erhebliche Herausforderung dar. In Gebieten wie Nordspanien, Italien, Rumänien und Teilen des Balkans wird mit zunehmenden Konflikten zwischen wachsenden Wolfs- und Braunbärenpopulationen und der Viehhaltung gerechnet. Bestehende Maßnahmen wie Herdenschutzhunde und verbesserte Zäune haben die Raubtierzahlen in einigen Regionen zwar reduziert, ihre Wirksamkeit ist jedoch weiterhin kontextabhängig. Die Autoren betonen, dass wirtschaftliche Vorteile des Ökotourismus niemals auf Kosten der ökologischen Integrität oder der lokalen Gemeinschaften gehen dürfen, und fordern daher eine gerechte Steuerung und ein adaptives Management.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass klimaschonende Renaturierung einen praktischen Entscheidungsrahmen bietet, um Restaurierungsstrategien zu identifizieren, die vielfältige Vorteile bieten und gleichzeitig die damit verbundenen Zielkonflikte explizit berücksichtigen. Anstatt eine Einheitslösung vorzuschreiben, ermutigt sie Planer, Biodiversität, Kohlenstoffspeicherung, Klimaresilienz und sozioökonomische Auswirkungen gemeinsam zu bewerten. Die Autoren argumentieren, dass die Integration von adaptivem Management, robustem Monitoring und standardisierter Ökosystembilanzierung unerlässlich ist, um den Rahmen in die Praxis umzusetzen und Europa bei der Erfüllung seiner Verpflichtungen in den Bereichen Biodiversität und Klimaschutz zu unterstützen.

Medien

  • Konzeptionelle Darstellung der Ergebnisse von Ökosystemwiederherstellungsmaßnahmen mit einem bzw. mehreren Zielen
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Quelle/Autor(en)
  • Gavin Stark
  • Magali Weissgerber
  • Néstor Fernández
  • Laura C. Quintero-Uribe
  • Marek Giergiczny
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Topic
  • Umsetzung
  • Passive Waldwiederherstellung
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  • Natürliche Prozesse und Erhaltung des Ökosystems
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