Nutzung natürlicher Sukzession und Pionierbaumarten zur Wiederherstellung von Wäldern nach großflächigem Borkenkäferbefall

Bewährte Verfahren

06. Nov 2025
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Die Wiederherstellungsmaßnahmen nach großflächigen Borkenkäferbefällen zielen darauf ab, degradierte Fichtenmonokulturen durch artenreichere, widerstandsfähigere Bestände zu ersetzen, die besser an den Klimawandel angepasst sind. Die Nutzung natürlicher Sukzession und von Pionierbaumarten ist ein wichtiges Instrument zur Renaturierung von Gebieten, die von großflächigen Störungen betroffen sind. Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert die Bewertung des natürlichen Regenerationspotenzials unter Berücksichtigung der lokalen Standortbedingungen und der langfristigen Bewirtschaftungsziele. Diese bewährte Methodik bietet Lösungen für spezifische Herausforderungen im Zusammenhang mit großflächigen Katastrophenrodungen. Dazu gehören mikroklimatische Bedingungen, die die Verwendung bestimmter Baumarten einschränken, potenzielle Engpässe bei Pflanzgut und Schwierigkeiten bei der Anlage strukturreicher Wälder.

Hintergrund:

Die Wälder in Tschechien haben tiefgreifende Veränderungen erfahren, die durch den Klimawandel und damit verbundene Störungsregime verursacht wurden. Sie werden von der Fichte dominiert (Picea abiesDurch die Monokulturen sind diese Ökosysteme zunehmend anfällig für Dürre, Windschäden und großflächigen Borkenkäferbefall geworden. Der daraus resultierende massive Waldverlust unterstreicht die dringende Notwendigkeit koordinierter und wirksamer Wiederherstellungsmaßnahmen. Aktuelle Wiederherstellungsstrategien konzentrieren sich daher auf die Schaffung widerstandsfähigerer Mischbestände, die besser an die prognostizierten Klimabedingungen angepasst sind. Ein Schlüsselelement dieses Wandels ist die Nutzung natürlicher Sukzessionsprozesse, bei denen Pionierbaumarten – darunter … – … Betula, Populus, Alnus, Sorbus und Weide - Sie spielen eine entscheidende Rolle in den frühen Phasen der Waldregeneration auf großen Lichtungen. Dieser Ansatz beschleunigt nicht nur die Wiederherstellung des Waldbestandes, sondern verbessert auch die Bedingungen für die Regeneration von Spätstadien der Sukzession, hilft, potenziellen Engpässen bei Pflanzgut entgegenzuwirken und senkt die Kosten der künstlichen Verjüngung. Zudem fördert er von Anfang an die Entwicklung artenreicher und strukturreicher Wälder.

Problembeschreibung:

Obwohl die Ziele der Wiederaufforstung im Allgemeinen gut definiert sind, bleibt die Umsetzung von Maßnahmen zur Waldsanierung in Tschechien eine Herausforderung. Ausmaß und Intensität der Störungen durch Borkenkäferbefall, Windwurf und anhaltende Dürre haben zu großen, stark geschädigten Waldflächen geführt. Viele dieser Gebiete weisen heute eine reduzierte Standortqualität und ein begrenztes natürliches Regenerationspotenzial auf. Ein weiteres Hindernis ist die eingeschränkte Verfügbarkeit von geeignetem Pflanzgut, insbesondere für weniger verbreitete einheimische Arten. Saisonale Engpässe stören häufig die Pflanzpläne und erschweren die Bemühungen um die Etablierung artenreicher und widerstandsfähiger Waldbestände. Hohe Populationen von Wildverbiss stellen ein zusätzliches Problem dar, da intensiver Verbiss die erfolgreiche Etablierung sowohl natürlich regenerierender als auch gepflanzter Zielarten verhindern kann. In vielen Regionen ist die Schaffung stabiler Mischwälder ohne eine vorherige Reduzierung des Wilddrucks unrealistisch. Ein praktikabler Weg, diese Einschränkungen zu überwinden, ist die systematische Nutzung der natürlichen Verjüngung mit Pionierbaumarten, die gezielt in die Wiederaufforstungsplanung und Bestandesbildung auf großflächig gestörten Flächen einbezogen werden.

Implementierungsschritte:

Schritt 1: Standortbewertung
Beurteilen Sie die Standortbedingungen im Hinblick auf die natürliche Regeneration. Konzentrieren Sie sich dabei auf Größe, Form, Hangneigung, Bodenbeschaffenheit, hydrologische Bedingungen, Verfügbarkeit von Saatgutquellen und weitere wichtige Merkmale der Kahlschlagfläche. Nutzen Sie sowohl Feldbeobachtungen als auch vorhandene typologische und forstwirtschaftliche Karten. Dokumentieren Sie natürliche und künstliche Geländegrenzen (z. B. Wasserläufe, Geländeverwerfungen, Rückewege, Erosionsrinnen) sowie nach der Holzernte verbliebene Bäume oder Baumgruppen, stehendes und liegendes Totholz und andere biologische Überreste wie vorhandene natürliche Verjüngung oder Einwuchs. Diese biologischen Überreste und alle Elemente, die die Biodiversität fördern, sollten bei der anschließenden funktionalen Zonierung des Standorts berücksichtigt werden. Empfohlener Zeitpunkt: Führen Sie diese Beurteilung so bald wie möglich nach der Schadholzernte durch.

Schritt 2: Räumliche Zonierung für die Renaturierung
Teilen Sie die Kahlschlagfläche anhand einer Standortanalyse in Funktionszonen ein. Kennzeichnen Sie Bereiche mit hohem Potenzial oder bereits vorhandener natürlicher Verjüngung der gewünschten Baumarten. Erstellen Sie eine detaillierte Lagekarte mit den Grenzen und Flächen dieser Zonen. Zeitpunkt: unmittelbar nach der Standortanalyse.

Schritt 3: Maßnahmen zur Unterstützung der natürlichen Regeneration
Forstwirtschaftliche Maßnahmen zur Förderung der natürlichen Regeneration konzentrieren sich auf die Bodenvorbereitung zur Verbesserung des Anwachsens von Sämlingen und die Regulierung der Bodenvegetation. Jede Maßnahme ist standortspezifisch und erfordert detaillierte Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten. Zeitpunkt: unmittelbar nach der Standortbewertung, bis zu 5 Jahre nach der Bergung.

Schritt 4: Kontrolle, Verbesserung und Nachsorge des Zustands
Der Zustand natürlich verjüngter Sämlinge und Jungbäume sollte regelmäßig überwacht werden. Dabei sind Überleben, Wachstum sowie Anzeichen von Stress oder Schäden zu dokumentieren. Die Wachstumsrate ist zu kontrollieren und gegebenenfalls Unkrautkonkurrenz und Bestandsentwicklung durch geeignete Pflegemaßnahmen zu regulieren. Diese Maßnahmen sollten in den ersten 5–10 Jahren jährlich durchgeführt werden, um ein erfolgreiches Anwachsen und eine ausgewogene Artenzusammensetzung zu gewährleisten. Zeitpunkt: die ersten 5–10 Jahre nach den ersten Wiederherstellungsmaßnahmen.

Wissenstypen:

Wissenschaftliches Wissen 
Allgemeine Empfehlungen zur Unterstützung der natürlichen Regeneration nach Katastrophenkahlschlägen basieren auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen, die immer wieder die Bedeutung der Förderung natürlicher Prozesse auf allen Ebenen des Waldökosystems hervorheben.

Praktisches Wissen
Die Wiederherstellung von Wäldern nach Borkenkäferbefall profitiert von langjähriger, praktischer Forsterfahrung, die dazu beiträgt, dass die Wiederherstellungsmaßnahmen in der Praxis umsetzbar sind. Dazu gehören bewährte waldbauliche Verfahren wie die Auswahl geeigneter Standorte für die natürliche Verjüngung und die Anwendung geeigneter Bodenvorbereitungs- und Reinigungstechniken.

Reproduzierbarkeit:

JA, die Methode wurde in verschiedenen Kontexten und Größenordnungen getestet und repliziert und kann daher problemlos auf andere Initiativen mit ähnlichen Zielen übertragen und/oder angepasst werden.

Die Wiederherstellungspraxis wurde im Rahmen der Umsetzung des Projekts SUPERB – Systemische Lösungen zur Ausweitung der dringenden Ökosystemwiederherstellung für die Biodiversität und Ökosystemleistungen im Zusammenhang mit Wäldern (Horizon 2020) angewendet. 

Schlüsselfaktoren für den Erfolg:

Die Nutzung der natürlichen Sukzession, bei der Pionierarten wie Betula, Populus, Alnus, Sorbus und Salix Sie spielen eine Schlüsselrolle in den frühen Phasen der Waldwiederherstellung. Sie beschleunigen die Wiederherstellung der Walddecke, verbessern die Bedingungen für die Regeneration von Spätstadien der Sukzession, tragen zur Minderung von Pflanzmaterialengpässen bei und reduzieren die Kosten der künstlichen Verjüngung.

Zu den Schlüsselfaktoren für den Erfolg zählt die Auswahl geeigneter Standorte für die natürliche Verjüngung anhand edaphischer, morphologischer und mikroklimatischer Merkmale. Mittelfristig sind ein effektives Monitoring und darauf aufbauende waldbauliche Maßnahmen unerlässlich, um die Bestandeszusammensetzung zu regulieren und die maximale Wirkung der Pionierbaumarten zu erzielen. 


Allgemeine Einschränkungen:

Zu den häufigsten Einschränkungen bei der Nutzung natürlicher Verjüngung zählen die Unsicherheit des Erfolgs sowie zeitliche und räumliche Schwankungen. Diese resultieren daraus, dass wir auf natürliche Prozesse angewiesen sind, die nicht vollständig kontrollierbar sind. Daher sind Monitoring und rechtzeitige Eingriffe entscheidend, um unbefriedigende Zustände zu korrigieren oder die weitere Entwicklung der Bestände zu lenken. Soziale Herausforderungen ergeben sich vor allem aus der negativen Wahrnehmung großflächiger Rodungen in der Öffentlichkeit. Daher wird besonderer Wert auf effektive Kommunikation mit den Kommunen, Aufklärung und die aktive Einbindung der lokalen Bevölkerung gelegt. Die Verwendung und Förderung von Pionierbaumarten, die sich schnell verjüngen und den typischen Charakter von Waldökosystemen wiederherstellen können, ist vorteilhaft.

Positive Auswirkungen:

  • Erhöhte Klimaeignung von Baumarten
  • Verbesserte Bodengesundheit
  • Erhöhte strukturelle Vielfalt

Erhöhte strukturelle Vielfalt
Die Verwendung von Baumarten mit unterschiedlicher Wachstumsdynamik, kombiniert mit einer räumlichen und zeitlichen Diversifizierung der Verjüngung, fördert die Entwicklung einer höheren Strukturvielfalt innerhalb relativ kurzer Zeit nach der Wiederaufforstung. Durch die Kombination von Arten mit unterschiedlichen Wachstumsgeschwindigkeiten können Waldbestände rasch eine mehrschichtige Struktur ausbilden und so die ökologische Stabilität und Widerstandsfähigkeit erhöhen. Ein typisches Beispiel ist die Einbeziehung schnellwachsender Birken in die obere Baumschicht, gepaart mit sich entwickelnden Weißtannen in den unteren Schichten.

Erhöhte Klimaeignung von Baumarten
Pionierarten verbessern die mikroklimatischen Bedingungen, stabilisieren den Boden und beschleunigen die Humusbildung, wodurch eine Umgebung geschaffen wird, die für Arten günstiger ist, die langfristig besser an veränderte Klimabedingungen angepasst sind.

Verbesserte Bodengesundheit
Der beschriebene Ansatz legt einen stärkeren Fokus auf Baumarten, die nachweislich positive Auswirkungen auf die physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften des Bodens haben und dadurch Fruchtbarkeit, Stabilität und Widerstandsfähigkeit verbessern. Dabei handelt es sich hauptsächlich um streureiche Arten wie Birke, Erle und Pappel, die wesentlich zum Gehalt an organischer Substanz im Boden und zum Nährstoffkreislauf beitragen. 


Negative Auswirkungen:

  • Reduzierte Holzqualität oder -quantität

Die alleinige Nutzung natürlicher Verjüngung kann zu Beständen mit einem geringeren Anteil wirtschaftlich wertvoller Baumarten führen und somit das langfristige Holzproduktionspotenzial verringern. Gleichzeitig stellt die Anlage von Mischwäldern mit vielfältiger Baumstruktur höhere Anforderungen an die Forstwirtschaft und verursacht höhere Kosten. Zudem kann sie mit geringeren erwarteten Holzeinnahmen einhergehen. Eine grundlegende Veränderung der Baumartenzusammensetzung und ein steigender Anteil von Hölzern mit kleineren Durchmessern erfordern auch erhebliche Anpassungen im Holzverarbeitungssektor, darunter Änderungen der Verarbeitungstechnologien und Lieferketten. Geringere Holzerntemengen und kleinere Stammabmessungen können den wirtschaftlichen Druck auf Waldbesitzer weiter erhöhen und unterstreichen die Notwendigkeit effizienterer und kostengünstigerer Forstwirtschaftsstrategien.

Quelle/Autor(en)
  • Lukáš Bílek
  • CZU Róbert Marušák
  • Czu
Topic
  • Umsetzung
Stakeholders
  • Grundbesitzer & Praktiker
Zweck
  • Aufforstung, Wiederaufforstung
  • Natürliche Prozesse und Erhaltung des Ökosystems
  • Wiederherstellung nach natürlichen Störungen
Biogeografische Region
  • Continental
Länder
  • Tschechien
Degradationstreiber
  • Environmental
Skalierungsbereich
  • Die Wiederherstellungspraxis wurde im Rahmen der Umsetzung des Projekts SUPERB – Systemische Lösungen zur Ausweitung der dringenden Ökosystemwiederherstellung für die Biodiversität und Ökosystemleistungen im Zusammenhang mit Wäldern (Horizon 2020) angewendet.